Bogenlänge auf der Rohrachse
Für einen kreisförmigen Bogen mit Mittellinienradius R und Winkel θ gilt:
LBogen = R × θ × π / 180
Bei 90° und CLR 60 mm ergibt das rund 94,25 mm Bogenlänge.
Wenn Geraden bis zu den Tangentialpunkten gemessen sind
Dann ist die gestreckte Mittellinienlänge direkt L1 + LBogen + L2. Beispiel: 200 mm Gerade vor dem Bogen, 150 mm danach und ein 90°-Bogen mit CLR 60 mm ergeben 200 + 94,25 + 150 = 444,25 mm.
Wenn Schenkel bis zum theoretischen Schnittpunkt gemessen sind
Für Winkel unter 180° ist die Tangentenlänge bzw. der Rücksprung T = R × tan(θ/2). Bei zwei Schenkeln bis zum theoretischen Schnittpunkt wird jeweils T abgezogen und anschließend die Bogenlänge addiert.
Beim gleichen 90°-Beispiel gilt T = 60 mm. Sind 200 mm und 150 mm bis zum theoretischen Schnittpunkt bemaßt, lautet die gestreckte Länge daher (200 − 60) + 94,25 + (150 − 60) = 324,25 mm. Der Unterschied von 120 mm zum ersten Beispiel entsteht ausschließlich durch die andere Bemaßungsbasis.
Drei typische Messfehler
- Innenradius und CLR vermischen: Bei 20 mm Außendurchmesser liegt der CLR bereits 10 mm über dem Innenradius.
- Schenkel unterschiedlich bemaßen: Ein Schenkel bis Tangentialpunkt und der andere bis zum theoretischen Schnittpunkt ergeben keine konsistente Abwicklung.
- Werkzeugradius ungeprüft übernehmen: Eine Händlerangabe „Biegeradius“ ist erst dann direkt einsetzbar, wenn klar ist, auf welche Radiuslinie sie sich bezieht.
Was die Rechnung nicht modelliert
Rückfederung, Querschnittsänderung und reale Lage der neutralen Zone bei plastischer Verformung können zusätzliche Fertigungskorrekturen verursachen. Für Serienfertigung sollte die konkrete Maschine mit einem Probestück kalibriert werden.
Gestreckte Länge berechnen Alle Biegeformeln
Für den häufigsten Sonderfall gibt es außerdem die eigene Anleitung Rohr 90° biegen.