Rohrbiegen verständlich gerechnet

Rohr 90° biegen: Die drei Maße, die du vorher brauchst

Bei einem 90°-Bogen werden die Formeln besonders einfach — solange dein Radius wirklich als Mittellinienradius bekannt ist.

Für 90° gelten einfache Beziehungen

  • Bogenlänge: πR/2
  • Setback/Tangentenlänge: R
  • Sehne: R√2

Beispiel mit CLR 60 mm: Bogenlänge ≈ 94,25 mm, Setback = 60 mm, Sehne ≈ 84,85 mm.

Absteckbeispiel mit theoretischer Ecke

Soll ein 90°-Bogen zwei Schenkel von 250 mm und 180 mm bis zu ihrer theoretischen Ecke verbinden, liegt bei CLR 60 mm jeder Tangentialpunkt 60 mm vor dieser Ecke. Die geraden Mittellinienanteile sind damit 190 mm und 120 mm. Zusammen mit 94,25 mm Bogenlänge ergibt sich eine ideale gestreckte Länge von 404,25 mm.

Wer die 250 mm und 180 mm dagegen bereits bis zu den Tangentialpunkten gemessen hat, darf die 60 mm nicht noch einmal abziehen. Genau diese Unterscheidung ist einer der häufigsten Gründe für falsche Zuschnittlängen.

Warum die Werkzeugangabe trotzdem geprüft werden muss

Ein Werkzeug mit „60 mm Biegeradius“ erzeugt nicht automatisch einen CLR von 60 mm, wenn der Hersteller die Bezugslinie nicht definiert. Deshalb basiert der Rechner auf deinem angegebenen CLR bzw. Innenradius und behandelt unklare Werkzeugradien nur als Herstellerangabe.

Vier Fehler, die die Zielgeometrie verändern

  1. Innenradius als CLR eingeben.
  2. Rohr-Außendurchmesser bei der Umrechnung Innenradius ↔ CLR vergessen.
  3. Rückfederung als reine Geometriekonstante behandeln, obwohl sie vom Werkstoff und Prozess abhängt.
  4. Eine Matrize nur nach einer ähnlichen Größenbezeichnung wählen, ohne realen Rohr-OD und Profil zu prüfen.

Bei Hydraulikbiegern

Die hier geprüften 12T- und 16T-Rohrbieger weisen auf ihren Produktseiten ausdrücklich darauf hin, dass ein 90°-Bogen nicht in einem einzigen Pressvorgang erzeugt wird, sondern schrittweise. Das ändert nichts an der Zielgeometrie, wohl aber am Arbeitsablauf.

90°-Bogen berechnen Gestreckte Länge verstehen